07|2025 Rollend wird das Gasnetz überprüft
07|2025 Rollend wird das Gasnetz überprüft
Neue Technik: Die Stadtwerke Ellwangen lassen derzeit ihr Gasnetz nachts befahren – Spezialtechnik prüft auf undichte Stellen.
In der Nacht vom 13. auf 14. Juli wird im Ellwanger Stadtgebiet wieder ein Spezialfahrzeug der Netze BW unterwegs sein. Manchmal vielleicht mit irritierender Routenwahl, manchmal zweimal in der gleichen Straße, vielleicht auch mit auffallend langsamen Tempo. Der Dachaufbau mag zudem irritieren, aber Sorgen muss sich keiner machen. Im Gegenteil: Die Befahrung dient der turnusgemäßen Überprüfung des Ellwanger Erdgasleitungsnetzes und wird im Auftrag der Stadtwerke Ellwangen GmbH (SWE) ausgeführt.
Erstmals setzt die Firma Netze BW, die die Gasnetzprüfungen für die SWE übernimmt, in Ellwangen auf eine motorisierte Befahrung. Statt wie bisher zu Fuß mit dem Handmessgerät, das im Millionstel Bereich (ppm = parts per million) detektiert hat, sind im Skoda Octavia Sensoren verbaut, die die Umgebungsluft tausendfach genauer analysieren. „Wir sind im Bereich parts per billion“, erläutert Michael Hahn, Teamleiter Gas- und Rohrnetzprüfung bei Netze BW. Das „Picarro-System“ saugt bei der Überfahrt durch Einlässe in der Stoßstange – mit Sensoren ähnlich denen eines Rauchmelders - die Umgebungsluft ein, ein GPS-Gerät und ein Windmesser auf dem Fahrzeugdach liefern zusätzlich nötige Wetter- und Positionsdaten, sodass dann das Herzstück der Anlage – ein im Kofferraum verbauter „Analysator“ - die Luftwolke auf deren Zusammensetzung prüfen kann und mit den zuvor eingespielten Leitungsdaten abgleicht.
Prüfung erfolgt deutlich schneller
Treten erhöhte Methan-Werte auf, markiert das System die Position als „Verdachtsfall“. Dann muss dort händisch nachgeprüft werden, ob tatsächlich ein Schaden vorliegt. „Das Auto wird keinen unserer Gasspürer ersetzen“, sagt Hahn, der mit seinem 18-köpfigen Team Netze im ganzen Bundesland überprüft. „Aber wir werden deutlich effizienter und genauer durch den Einsatz der Technik und können nun fast ganzjährig prüfen.“ Patrick Eberlein, Gasmeister der SWE, zieht den Vergleich: „Die Überprüfung zu Fuß im ganzen Ellwanger Netz hat bisher circa vier Monate gedauert. Nun reden wir von Befahrungen und Nachprüfungen mit einem Aufwand von etwa vier Wochen.“
Als Fahrer ist in diesen Tagen in Ellwangen Lorenzo Falcetta im Einsatz. Für ihn ist die fahrzeugbasierte Messung eine „schöne Abwechslung“ zur fußläufigen Kontrolle. Dass er nachts fahren muss, stört ihn nicht, ist aber nötig, weil durch weniger Verkehr und fehlende Sonneneinstrahlung die Luftverwirbelungen deutlich niedriger sind. „Wir brauchen für die erfolgreiche Analyse eine möglichst homogene Luftmasse“, sagt Hahn.
Alarm bei stark erhöhten Messwerten
Das Ellwanger Gasnetz wird vor der Befahrung in die Software eingespeist, die dann dem Fahrer bestimmte Bereiche und Fahrtrouten per GPS-Navigation vorgibt. Jede Leitung wird innerhalb der Prüfung insgesamt sechsmal überfahren, bevor die abschließende Auswertung erfolgt. Verdachtsfälle meldet das System dann als „LISA“: „Local indicacion search area“, lokale Suchbereiche, in denen dann die Gasspürer den genauen Grund der erhöhten Werte im Nachgang ermitteln und präzise lokalisieren.
„Sollten während der Befahrung massiv erhöhte Messwerte auftreten, die auf einen akuten Schaden hinweisen, schlägt das Auto automatisiert sofort Alarm, sodass die Bereitschaftsteams gerufen werden können“, schildert Hahn. Das passiere allerdings ausgesprochen selten. „Das Ziel der regelmäßigen Kontrolle alle zwei Jahre ist ja genau das: Etwaige drohende Schäden frühzeitig zu lokalisieren und so einem richtigen Rohrbruch vorzubeugen“, sagt Eberlein.
Info: Die Vorgabe zur Überprüfung und Reparatur der Gasleitungsnetze in Deutschland sind im DVGW Regelwerk G 465-1 sowie Merkblatt G 465-3 genau vorgegeben. Je nach Leitungsmaterial und Druckstufe muss alle ein bis drei Jahre geprüft werden. Etwaige Leckagen werden nach Dringlichkeit kategorisiert und müssen in entsprechenden Fristen repariert werden.






